Prof.in Dr. Doris Erbe
Fachbereich
- Angewandte Sozialwissenschaften
Lehr- und Forschungsschwerpunkt:
- Professur für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie
Interview
Mal abgesehen vom Inhalt, warum sollten Studierende ausgerechnet Ihr Seminar/Ihre Vorlesungen besuchen?
Prof.in Dr. Doris Erbe: Als Wissenschaftlerin einerseits und erfahrene Psychotherapeutin andererseits vermittle ich nicht nur fundierte theoretische Grundlagen, sondern bringe auch umfangreiche Praxiserfahrung aus verschiedenen Bereichen der Psychologie und Psychotherapie ein. Mit Tätigkeiten unter anderem in der Kinderonkologie, Hochschulambulanzen für Psychotherapie für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, einer psychosomatischen Klinik und einer Suchtklinik habe ich ein breites Spektrum an Erfahrungen gesammelt, die ich in meinen Unterricht integriere.
Zudem habe ich mich sowohl wissenschaftlich als auch in der Praxis mit internet- und telefonbasierten Interventionen beschäftigt und kann den Studierenden nahe bringen, wie vielseitig und anpassungsfähig die Psychotherapie im digitalen Zeitalter sein kann.
Meine Begeisterung für die Wissenschaft ist ebenso stark wie mein Engagement für die praktische Anwendung psychologischer Interventionen. Dies ermöglicht es mir, ein anspruchsvolles und praxisnahes Lehrangebot zu gestalten, das die Studierenden nicht nur auf akademischer Ebene fordert, sondern sie auch auf ihre zukünftigen beruflichen Herausforderungen vorbereitet.
Was begeistert Sie an Ihrem Fachgebiet?
Prof.in Dr. Doris Erbe: Als Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin begeistert mich die Möglichkeit, mit jungen Menschen zu arbeiten. Kinder und Jugendliche zeichnen sich durch eine ausgeprägte Flexibilität und Anpassungsfähigkeit aus, die oft erstaunliche Veränderungen und Entwicklungen ermöglichen. Was kann es Schöneres geben als die Chance, positive Wendungen im Leben von jungen Menschen fördern zu können, zu ihrem persönlichen Wachstum, ihrer emotionalen Resilienz beizutragen oder ihnen bei der Bewältigung ihrer Herausforderungen beizustehen? Die Offenheit von Kindern und Jugendlichen für Neues eröffnet die wunderbare Chance, therapeutische Interventionen zu gestalten, die nicht nur auf ihre individuellen Bedürfnisse eingehen, sondern auch Hoffnung und Perspektiven vermitteln.
Darüber hinaus ist es inspirierend zu beobachten, wie junge Menschen in einem dynamischen Umfeld lernen und sich entwickeln. Die Kindheit und Jugend sind geprägt von zahlreichen Veränderungen und ich finde es besonders erfüllend, sie auf diesem Weg zu begleiten und zu unterstützen. Es ist eine Zeit, in der sie entscheidende Weichen für ihre Zukunft stellen – und ich bin begeistert von der Möglichkeit, einen positiven Einfluss auf diesen Prozess auszuüben.
Die Arbeit mit jungen Menschen ist nicht nur herausfordernd, sondern auch ungemein bereichernd, da sie die Gelegenheit bietet, ihre Geschichten, Träume und auch Ängste kennenzulernen. Es motiviert mich, gemeinsam an Lösungen zu arbeiten, die ihre Lebensqualität verbessern und sie auf ihrem Weg stärken. Jedes positive Erlebnis und jede Fortschrittserfahrung schafft die Hoffnung und den Glauben, dass Veränderungen möglich sind – und das ist es, was mich jeden Tag aufs Neue inspiriert.
Welche Erfindung/Entdeckung der Menschheitsgeschichte hätten Sie gern selbst gemacht? Warum ausgerechnet diese?
Prof.in Dr. Doris Erbe: Gern hätte ich das Rad erfunden, denn dann müsste es nicht immer wieder neu erfunden werden… Aber im Ernst: Vor über 5000 Jahren zu leben, hätte ich mir nicht gewünscht. Heute ist wirklich fast alles besser – beispielsweise in Anbetracht der Frage, ob ich als Frau damals überhaupt die Möglichkeit gehabt hätte, eine solche Erfindung zu tätigen und sie zu verbreiten.
Wenn es um mein Fachgebiet geht, hätte ich gern die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) erfunden. Diese bahnbrechende Therapieform hat unschätzbare Hilfe für Menschen geleistet, die zuvor als nicht behandelbar galten. Sie hat vielen schwer beeinträchtigten und traumatisierten Personen geholfen, wieder ein normales und halbwegs gesundes Leben zu führen. Gleichzeitig ist mein Respekt vor Marsha Linehan, der Entwicklerin der DBT, so groß, dass ich mir nicht anmaße, zu behaupten, ich hätte etwas Ähnliches leisten können.
Welche große Frage würden Sie gern beantworten (können)?
Prof.in Dr. Doris Erbe: Eine Frage, die ich hoffentlich eines Tages beantworten kann, lautet: Wie kann ein wertneutrales und ergebnisoffenes Unterstützungsangebot in Therapie und Beratung gestaltet werden, das jungen Menschen hilft, die für ihr Leben und das ihrer potenziellen Kinder besten Entscheidungen in Bezug auf Familienplanung zu treffen?
In einer Zeit, in der junge Menschen mit einer Vielzahl von Herausforderungen und Möglichkeiten konfrontiert sind, ist es entscheidend, dass sie die benötigte Unterstützung erhalten können, um informierte und reflektierte Entscheidungen zu treffen. Insbesondere beim Thema Familienplanung sind die getroffenen Entscheidungen oft von weitreichender Bedeutung. Für junge Menschen, die von psychischen Störungen betroffen sind, können diese Entscheidungsprozesse besonders herausfordernd sein. Daher äußern viele den Wunsch nach besserer Unterstützung und Beratung in diesem sensiblen Bereich.
Was haben Sie immer dabei? Und warum?
Prof.in Dr. Doris Erbe: Was ich immer dabei habe, sind meine Neugier, mein Forschergeist und meine Liebe zu den Menschen.
Meine Neugier treibt mich an, ständig neue Perspektiven zu entdecken und Fragen zu stellen, wodurch ich ein tieferes Verständnis für die Welt und die Menschen um mich herum erlange.
Mein Forschergeist führt mich stets auf die Suche nach Antworten und Lösungen für komplexe Probleme. Er motiviert mich dazu, wissenschaftliche Erkenntnisse ständig zu hinterfragen und weiterzuentwickeln, um die bestmögliche Unterstützung für die Menschen zu leisten, mit denen ich arbeite.
Und schließlich ist es meine Verbindung zu anderen und mein aufrichtiges Interesse an ihrem Wohlergehen, die den Grundstein für meine Tätigkeit in der Psychologie und Psychotherapie legen. Die Beziehungen, die ich pflege, sowie meine Empathie und mein Verständnis für jede Einzelne und jeden Einzelnen tragen wesentlich zu meinem beruflichen und persönlichen Leben bei. Dabei erfüllt mich die Dankbarkeit für die vielen bereichernden Erfahrungen, die ich im Kontakt mit anderen Menschen bereits machen durfte.
Vorherige berufliche Station
Zuletzt war ich Junior-Professorin an der Vinzenz-Pallotti-University und davor mehr als acht Jahre stellvertretende bzw. geschäftsführende Ambulanzleiterin an der Universität zu Köln.