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Kooperation mit Japan

Von „Stille und Lärm“ und kultureller Prägung

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Junge Menschen und Fotografie aus unterschiedlichen Kulturen: Darum ging es bei der Kooperation der FH Dortmund mit der Hochschule in Osaka.

Die Ausstellung „Noise & Silence in Everyday Life“ zeigt Arbeiten von FH-Studierenden und Studierenden aus Japan. Im Interview schildert Mit-Organisator Prof. Andreas Pawlitzki, wie diese Kollaboration der Kulturen „den Dialog befeuert“ hat.

Zur Vernissage in der Galerie des Fachbereichs Design am Standort Max-Ophüls-Platz Ende Juli kamen weit mehr Menschen, als darin Platz finden konnten, denn nicht nur die Ausstellung selbst, auch ihr Zustandekommen war bemerkenswert. Darüber spricht Prof. Andreas Pawlitzki, Prodekan des Fachbereichs und neben Prof. Dr. Lioudmila Voropai und Prof. Jens Müller von der FH Dortmund und Prof. Hidezumi Kadowaki von der Osaka Seikei University einer der Organisator*innen und Lehrenden der Ausstellungserarbeitung.

Prof. Pawlitzki, wie lautete die Aufgabe für die Studierenden?

Prof. Hidezumi Kadowaki von der Osaka Seikei University stellte uns das Thema „Noise & Silence in Everyday Life“ als kulturübergreifende Fragestellung vor, und wir waren davon sofort begeistert. Für uns war klar, dass dieses Thema ein großes Potenzial für eine vielschichtige künstlerische und gesellschaftliche Auseinandersetzung bietet. Insbesondere für junge Menschen ist die Beschäftigung mit den Begriffen und Erfahrungen von Stille und Lärm von besonderer Bedeutung, da sie eng mit unserem Umgang mit Lebensräumen, Ressourcen und unserer zunehmend von Geräuschen und Informationen geprägten Umwelt verbunden sind.

Dabei war unser Anliegen, das breite künstlerische Spektrum unseres Fachbereichs auszuschöpfen und unterschiedliche gestalterische Zugänge zu diesem komplexen Themenfeld zu ermöglichen. Durch die Vielfalt der eingesetzten Medien und Ausdrucksformen sollte „Noise & Silence“ aus verschiedenen Perspektiven erfahrbar gemacht und ein Raum für individuelle Interpretationen und interkulturellen Austausch geschaffen werden.

Eine Kooperation mit einer japanischen Hochschule ist eine seltene Gelegenheit, oder?

Ja, Hochschulen in Japan sind begehrte Kooperationspartner, und bereits der Aufbau eines Kontakts sowie die Entwicklung einer verlässlichen Zusammenarbeit passieren nicht einfach so. Hinzu kamen die räumliche Distanz, der Zeitunterschied und die Sprachbarriere. Umso erfreulicher ist es, dass die Zusammenarbeit so gut funktioniert hat.

Dazu haben die Kolleg*innen Prof. Dr. Lioudmila Voropai, Prof. Jens Müller und unser sehr geschätzter Kollege Prof. Kadowaki zu gleichen Teilen beigetragen. So ein Projekt funktioniert nur, wenn bei allen Beteiligten die Chemie stimmt. Bei uns hat das sehr gut gepasst. Und es hat auch Spaß gemacht, die Methoden der japanischen Lehrenden zu beobachten.

Bei der Vernissage begrüßte Dekanin Prof. Dr. Pamela Scorzin (hinten, zwischen den Fenstern) die Gäste. Von ihr aus nach links: Mit ihr grüßten Prodekan Andreas Pawlitzki, Klaus Wegener von der Auslandsgesellschaft, FH-Rektorin Prof. Dr. Tamara Appel, Prof. Jens Müller und Prof. Dr. Lioudmila Voropai.

Inwiefern?

Unsere Seminare fanden parallel statt, in einem gemeinsamen großen Seminarraum. Für unsere Studierenden war insbesondere die sehr disziplinierte und zugleich stark strukturierte Lehr- und Arbeitsweise der japanischen Partner eine spannende Erfahrung. Außerdem trafen wir uns während des japanischen Unterrichts viermal online und auch da waren die Japaner*innen sehr strukturiert, sorgfältig und hervorragend vorbereitet.

Wie macht sich das bemerkbar?

Dies wird anhand der Präsentation der japanischen Arbeiten besonders deutlich. Sämtliche Arbeiten wurden in einem einheitlichen Format gedruckt und nach einem klar definierten Raster gehängt. Ergänzend wurden die Projekte in ihrer Gesamtheit in standardisierten Buchformaten präsentiert. Diese konsequente Form der Präsentation erzeugte eine intensive visuelle Wirkung und verlieh der Gesamtinszenierung eine hohe Geschlossenheit.

Gleichzeitig wurden die einzelnen Arbeiten stärker miteinander in Beziehung gesetzt, wodurch Vergleiche ermöglicht und gemeinsame sowie unterschiedliche gestalterische Ansätze deutlicher wahrnehmbar wurden. Die japanischen Exponate zeichneten sich durch eine außergewöhnlich hohe handwerkliche Qualität aus und wurden zugleich äußerst professionell und präzise präsentiert.

Wir gehen da etwas freier in den Prozess. Ich kann mir gut vorstellen, dass auch für die japanischen Studierenden die Begegnung mit unserem eher offenen und weniger stark durch feste Konventionen geprägten Arbeitsansatz eine bereichernde Erfahrung war. Besonders spannend war zu beobachten, wie sich die unterschiedlichen Herangehensweisen ergänzt haben und daraus ein produktiver Austausch entstanden ist.

Haben Studierende aus Dortmund und Japan direkt zusammengearbeitet?

Zu Beginn haben wir Lehrenden darum gebeten, die bestehenden Teams zu durchmischen, weil es ja als interdisziplinäres Format gedacht war. Aus diesem Austausch heraus entstanden konstruktive und anregende Diskussionen mit unterschiedlichen Perspektiven. Das befeuerte den interdisziplinären Dialog nachhaltig.

Einige der beteiligten Studierenden beider Hochschulen.

Wodurch unterscheidet sich das japanische Design von unserem?

Die japanische Designkultur erscheint mir in besonderem Maße durch Werte wie Fleiß, Disziplin und Respekt geprägt zu sein. Ein Seminar in diesem interkulturellen Kontext zu erleben, ist daher eine besondere Erfahrung. Es ermöglichte uns, die eigene gestalterische Haltung aus einer anderen Perspektive zu betrachten und unsere kulturellen Prägungen zu reflektieren.

Wie blicken Sie auf die Ergebnisse, die dabei entstanden sind?

Durch die intensive wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Themenkomplex im Vorfeld konnten die künstlerischen Konzepte fundiert entwickelt und kunsthistorisch reflektiert umgesetzt werden. Mit unserer Kollegin Prof. Dr. Lioudmila Voropai war eine kulturwissenschaftliche Perspektive in das Seminar integriert, die den gemeinsamen Diskussionen zusätzliche qualitative Tiefe verlieh. Ihre fachliche Expertise half, die gestalterischen Fragestellungen um kulturtheoretische Aspekte zu erweitern und unterschiedliche Betrachtungsebenen miteinander zu verbinden.

Unser Kollege Jens Müller gab als exzellenter Gestalter und fundierter Kenner des Fachgebiets den Diskussionen durch ein breites praktisches und theoretisches Wissen eine neue Richtung. Seine gestalterische Kompetenz ergänzte sich dabei mit den wissenschaftlichen Zugängen und schuf einen produktiven Dialog zwischen Theorie und Praxis. Diese Verbindung erwies sich als ausgesprochen gewinnbringend und stellte für alle Beteiligten eine echte Bereicherung dar.

So entstanden Arbeiten, die sowohl inhaltlich als auch gestalterisch überzeugen. Für alle Studierenden bot das Thema die Möglichkeit, über sich selbst hinauszuwachsen und sich sehr frei und kreativ damit auseinanderzusetzen. Jedes der Teams fand eine individuelle Herangehensweise und setzte eigene künstlerische Schwerpunkte. 

Zum Beispiel?

Es gab ein breites Spektrum von Darstellungs- und Vermittlungsformen. Dabei kamen unterschiedliche Formate wie raumbezogene Installationen, fotografische Arbeiten, Videoarbeiten, Objektarbeiten, Printdarstellungen sowie performative Ansätze zum Einsatz. Die Verbindung dieser verschiedenen Ausdrucksformen eröffnete abwechslungsreiche Perspektiven auf den Gegenstand und ermöglichte eine facettenreiche Auseinandersetzung, in der visuelle, materielle und zeitliche Ebenen miteinander in Beziehung traten.

Wo sind die Arbeiten zu sehen?

In der Galerie des Fachbereichs ist die Ausstellung nicht mehr zu sehen, da sie mit Beginn der vorlesungsfreien Zeit für neue Projekte vorbereitet werden muss. Die Ausstellung bleibt jedoch durch einen sehr gelungenen Katalog – an dieser Stelle ein herzlicher Dank an das gesamte Team – sowie durch eine umfassende fotografische Dokumentation dauerhaft archiviert.
An einer geeigneten Online-Lösung arbeiten wir derzeit noch. Wir möchten die Arbeiten auch virtuell dauerhaft erlebbar machen.

Die Gastgebenden und ihr Gast (v.l.): FH-Prodekan Prof. Dr. Stephan Weyers, FH-Design-Prodekan Prof. Andreas Pawlitzki, FH-Professor Jens Müller, Prof. Hidezumi Kadowaki aus Osaka, FH-Professorin Dr. Lioudmila Voropai, FH-Rektorin Prof. Dr. Tamara Appel und FH-Design-Dekanin Prof. Dr. Pamela Scorzin.

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