Inhalt anspringen

Depressive Symptome und Kinderwunsch: Eine Untersuchung von Motiven sowie wahrgenommenen Kosten und Nutzen

Journalartikel

Schnelle Fakten

Zitat

Erbe, D., Freisinger, M., & Gerlach, A. L. (2026). Depressive Symptome und Kinderwunsch: Eine Untersuchung von Motiven sowie wahrgenommenen Kosten und Nutzen. PPmP - Psychotherapie · Psychosomatik · Medizinische Psychologie, 76(1), 36–42. https://doi.org/10.1055/a-2731-0454

Abstract

Zusammenfassung

Ziel der Studie

Ziel dieser Studie war es, den Einfluss depressiver Symptome auf die Wahrnehmung von Kinderwunschmotiven sowie auf die Einschätzung der wahrgenommenen Kosten und Nutzen von Kindern bei psychisch erkrankten Personen zu untersuchen. Der Zusammenhang zwischen psychischen Erkrankungen und Kinderwunsch ist bislang nur unzureichend erforscht, obwohl er für Beratung und Therapie von hoher Relevanz ist.

Methodik

Es wurde eine quantitative Online-Befragung mit 105 Personen durchgeführt, die über die Hochschulambulanz für Psychotherapie der Universität zu Köln rekrutiert wurden. Zur Erhebung der Einstellungen zu Kindern kam der Value of Children (VoC)-Fragebogen zum Einsatz. Die Kinderwunschmotive wurden über eine Reihe eigens entwickelter Items erfasst, die sich an bisheriger Forschung, unter anderem der erweiterten Version des Leipziger Fragebogens zu Kinderwunschmotiven (LKM-E) orientieren. Depressive Symptome wurden mithilfe des PHQ-9 erhoben. Die Auswertung erfolgte mittels multipler linearer Regression.

Ergebnisse

Die Ergebnisse zeigen, dass depressive Symptome nicht signifikant mit der Wahrnehmung der Vorteile oder der Nachteile von Kindern assoziiert waren. Ebenso zeigte sich kein signifikanter Zusammenhang mit positiven Kinderwunschmotiven. Hingegen bestand ein hoch signifikanter Zusammenhang zwischen depressiven Symptomen und negativen Kinderwunschmotiven (β=2.18, p<0,001), was auf eine pessimistische Sichtweise auf Elternschaft bei betroffenen Personen hinweist.

Diskussion

Die vorliegenden Befunde deuten darauf hin, dass die negative Sichtweise von Menschen mit Depressionen zu einer pessimistischen Einschätzung der Familienplanung führen kann. Während die Hypothesen zu positiven Motiven nicht bestätigt wurden, ist die Identifikation negativer Motive für psychotherapeutische Interventionen von Bedeutung. Die Abweichungen von früheren Studien hinsichtlich der VoC-Skalen könnten auf unterschiedliche Messmethoden und Stichproben zurückzuführen sein.

Schlussfolgerung

Therapeutische Fachkräfte sollten das Thema Kinderwunsch gezielt in die psychotherapeutische Arbeit integrieren, um kognitive Verzerrungen zu hinterfragen und eine reflektierte Auseinandersetzung mit möglichen Elternschaftswünschen zu ermöglichen. Weitere Studien mit größeren und diverseren Stichproben sind erforderlich, um die Befunde zu validieren und vertiefte Einblicke in die Familienplanung von Menschen mit psychischer Erkrankung zu gewinnen.

Referenzen

DOI 10.1055/a-2731-0454

Erläuterungen und Hinweise

Diese Seite verwendet Cookies, um die Funktionalität der Webseite zu gewährleisten und statistische Daten zu erheben. Sie können der statistischen Erhebung über die Datenschutzeinstellungen widersprechen (Opt-Out).

Einstellungen (Öffnet in einem neuen Tab)