Am 27. Januar 2026 verstarb Heinz-Dieter Finke. Von 1973 hat er mehr als 30 Jahre für die FH Dortmund gearbeitet, war zuletzt Verwaltungsdirektor und Vertreter des Kanzlers. Darüber hinaus begleitete er die FH Dortmund von 2008 bis 2013 im Hochschulrat. Gemeinsam mit Rudi Zimmer, der im Vorjahr verstorben ist, hat er die Hochschule und ihre Menschen geprägt. Martin Hübner, bis 2025 Dezernent im Facilitymanagement, erinnert sich in einem persönlichen Rückblick.
Dieter Finke war vor 45 Jahren mein Personalchef. Da steckte er schon seit acht Jahren bis über beide Ohren im Aufbau der 1971 gegründeten Fachhochschule Dortmund. Es entstand eine neue Hochschule aus ihren Vorgängereinrichtungen.
Er hat zusammen mit Rudi Zimmer die Haushaltsstellen und Haushaltsmittel bewirtschaftet und ständig fortentwickelt. So sorgten beide auch für meinen Start in der Verwaltung der Fachhochschule 1981 – denn ohne Stellen kein Personal, ohne Finanzmittel kein Hochschulbetrieb.
Eine sehr klare Orientierung im Sinne der Hochschule prägte Dieters gesamtes Arbeitsleben. Neuerungen und Veränderungen sowie Erweiterungen, die Bewältigung verschiedenster Hürden waren in dieser aufwachsenden Hochschule an der Tagesordnung.
Beide zusammen, Dieter und Rudi, waren ein starkes Team und traten auch als solches auf. Sie standen für einen wertschätzenden und sehr persönlichen Umgang mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – so habe ich es selbst lange kennen und lieben lernen dürfen. Von beiden durfte ich lernen, wie förderlich ein so persönlicher Umgang für das Arbeitsklima, die gesamte Hochschule und für einen selbst war. Ich bin sogar überzeugt, dass ihre Art bis in die heutige Zeit hineinwirkt und dabei natürlich immer weiter verfeinert und angepasst wurde.
Im direkten persönlichen Kontakt
Kaum vorstellbar: In diesem Entwicklungsprozess der Hochschule gab es keine PCs, keine Software, keine Drucker, nur Schreibmaschinen (immerhin elektrisch), keine Faxgeräte, kein Social Media im heutigen Sinne. Nur Menschen und Telefone. Die Kommunikation fand also sehr persönlich statt. Netzwerke wurden im direkten persönlichen Kontakt gebildet. Hier war Dieter Finke Spezialist –fachlich sowieso. Dieter agierte und prägte die Arbeit seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Rudi Zimmer tat es ihm im Fachgebiet der Finanzen gleich.
Nach ein paar Jahren in der Akademischen Abteilung (Rektorat, Kommissionen…) sollte ich in die Personalabteilung kommen. Ich erinnere mich genau, wie Dieter Finke mich eines Tages ansprach: „Herr Hübner, wir duzen uns in der Personalabteilung. Ich bin Dieter.“ Zack war ich als junger Regierungsinspektor z.A. per Du mit dem Personalchef. Das war andernorts völlig unüblich. Das „Du“ blieb, obwohl ich dann ein paar Wochen später nicht in die Personalabteilung, sondern in die Finanzabteilung zu Rudi Zimmer kam.
Für persönliches Miteinander stand auch Rudi. Beide waren sich hierin sehr ähnlich: Sie ließen Freiräume für Entscheidungen, machten klare Vorgaben, gaben enorme Rückendeckung und Orientierung, wie es heutzutage in Darstellungen zu Onboarding-Prozessen steht, in Fortbildungen für Führungskräfte gelehrt wird. Sie waren Naturtalente, genau die richtigen in dem für mich neuen Universum Hochschule. Was für ein Glück, sie als Chefs und Kollegen gehabt zu haben.
„Das war wie Familie“
Von Rudi Zimmer habe ich alle Grundlagen des Finanzwesens gelernt – ein lockerer Umgang miteinander herrschte in der Finanzabteilung. Da wurde tatsächlich schon mal jemand auf den Tresor gesetzt, da war auch mal TippEx auf den Fingernägeln – da wusste man gegenseitig von Freuden, Sorgen und Nöten. Das war wie Familie; denn auch kräftig streiten durfte man. Das mit der Familie habe ich oft gedacht und gefühlt. Und Gleiches spürte ich damals auch in der Personalabteilung.
Als Rudi dann nach der deutschen Wiedervereinigung als Kanzler zur Fachhochschule Neubrandenburg ging, endete meine persönliche Zeit mit ihm und Dieter Finke übernahm die Leitung der Finanzabteilung. Kurz vorher war auch noch der Leiter der Beschaffungsstelle, Teil der Finanzabteilung, zur Universität Potsdam gewechselt. So durfte ich hier intensiv mit Dieter zusammenarbeiten. Wir waren ja nicht viele. Und wieder habe ich den persönlichen, verlässlichen Umgang genossen.
Später war es Dieter, der Umsetzungsprozesse im gehobenen Verwaltungsdienst unserer Hochschule einleitete und Zutrauen für die betroffenen Mitarbeitenden, auch mich, ausstrahlte. Er war es, der den Organisationsbereich unserer Hochschule leitete, den Kanzler hervorragend vertrat und sich auch nach seiner Pensionierung im Hochschulrat für das Wohl der Hochschule einsetzte.
Martin HübnerMir war nicht klar, dass es unser letztes Gespräch sein würde. Ich habe Danke gesagt, aber ich hätte es noch viel, viel deutlicher sagen sollen.
Es waren immer die persönlichen Dinge des Lebens, die man neben den dienstlichen Notwendigkeiten mit ihm teilen konnte. Zum Beispiel seine Liebe zu Frankreich, die sich zeigte in einem eigenen Ferienhaus am Meer, hin und wieder einer Gauloises, in der Sprache und in der Lebensart. Und stets war da auch das Verständnis für Sorgen und Probleme und die Selbstverständlichkeit, für die Hochschule da zu sein.
Beim Schreiben dieser Zeilen sind mir sehr viele Gedanken durch den Kopf gegangen. Ich habe viel gefühlt und gespürt. Nun erhalte ich keine persönliche Geburtstags- oder Weihnachtsmail von Dieter mehr. Ich selbst kann ihm auch nicht mehr gratulieren. Mit beiden, Dieter und Rudi, habe ich zum Glück noch einmal sprechen können im letzten Jahr, nachdem ich sie zu meiner Pensionierung eingeladen hatte. Auch das kennzeichnete sie: Sie haben sich persönlich gemeldet und sogar entschuldigt, nicht kommen zu können. Der eine aus Dortmund, der andere aus Usedom. Es ging ihnen beiden leider nicht mehr gut, aber es war mir auch nicht klar, dass es unser letztes Gespräch sein würde. Ich habe Danke gesagt, aber ich hätte es noch viel, viel deutlicher sagen sollen.
Von ganzem Herzen: Lieber Dieter, lieber Rudi, ganz, ganz herzlichen Dank – es ist eine Freude und Ehre, euch zu kennen und mit euch gemeinsam in unserer Hochschule gearbeitet und gelebt zu haben!
In bester Erinnerung
Martin Hübner
Martin Hübner war von 1981 bis 2025 an der Fachhochschule Dortmund